GESCHICHTE

Seit über zwei Jahrhunderten treiben die Matreier Bauern ihre Kühe im Sommer auf die Almen des Gschlösstals. Bis in die 1930er Jahren wurde die Milch in der nah gelegenen Sennerei am Matreier Tauernhaus verarbeitet. Fast 90 Jahre später knüpfen die Bauern mit der Gründung der Genossenschaft Almsennerei Tauer an diese alte Tradition wieder an. Statt vom globalen Milchpreis abhängig zu sein, verarbeiten sie gemeinsam ihre hochwertige Milch. Durch die eigene Produktion und Vermarktung wird die Wertschöpfungskette verlängert und die Bauern erhalten ein besseren Preis für ihre Milch. Den Milchpreis bestimmt die Genossenschaft, zum Wohle ihrer Mitglieder.

DIE ALTE „MILCHSAMMELSTELLE”

Das historische Steingebäude stammt aus dem Anfängen des 20. Jahrhunderts und ist seitdem im Besitz der Raiffeisenbank Matrei/OT. Im Herbst 2016 wurde es aus seinem Dornröschenschlaf erweckt, komplett renoviert und mit modernster Sennerei-Technik ausgestattet. Das Herzstück ist der große Kupferkessel, der 2.700 1 Milch fasst, die Produktionsmenge eines Tages. Während einer Almsaison, von Ende Mai bis Mitte September werden 270.000 1 Almmilch verarbeitet. Der Almladen im 1. Stock bietet das gesamte Sortiment an Almkäse, eines Tages. Während einer Almsaison, von Ende Mai bis Mitte September werden 270.000 1 Almmilch verarbeitet. Der Almladen im 1. Stock bietet das gesamte Sortiment an Almkäse, Schnittkäse, Graukäse und frischer Butter. Dazu regionale Produkte und handgearbeitete Souvenirs. Hier haben die Besucher einen guten Ausblick in die Sennerei.

UNSERE ALMEN

Die Almsennerei Tauer liegt am Eingang des Nationalparks Hohe Tauern. Die Eiszeit hat die Täler der Hohen Tauern geformt, auch das Gschlösstal. Im Talboden dominierte bis in die 1950er Jahre der Gschlössbach mit seinen Schotterbänken die Landschaft. Durch seine Begradigung entstanden mit den ebenen Wiesen ideale Weiden für die Milchkühe. Bis heute wird der Gschlössbach gespeist aus den Schmelzwassern der Gletscher Villtragen- und Schlatenkees und weist, obgleich gezähmt, die Dynamik eines Gletscherbaches auf. Im Winter fließt er ruhig zwischen den Hütten des Almdorfes Innergschlöss dahin, am Außergschlöss und den Wohlgemuthsalmen vorbei, aber im Sommer rauscht er mit Macht durch das Tal.

RUNDWEG ALMSENNEREI TAUER

Ausgehend vom Almdorf Tauer bietet der 1,6 km lange Weg an 7 Stationen Einblicke in die Osttiroler Berglandwirtschaft. Dazu gehört das Ökostrom-Kraftwerk ebenso wie die historische Venezianersäge, die wie früher durch ein großes Wasserrad angetrieben wird. Ein eigener Brunnen versorgt die Almsennerei mit Quellwasser und die Abwässer werden in der ökologischen Pflanzenkläranlage gereinigt. Die Almwiesen am Tauernbach bieten hervorragendes Futter für die Kühe. In der Almsennerei kann man den Sennern über die Schulter schauen, die Käsesorten kosten und kaufen. Schließlich endet der Rundweg in der alten Säumerstube des Gasthofs Tauernhaus. Alle Stationen sind mit Info-Tafeln ausgestattet, Führungen nach Anmeldung: www.almsennerei.at

ALMSENNEREI TAUER

In 7 Stationen informiert der Rundweg über die Berglandwirtschaft. Einst und heute eine Kreislaufwirtschaft im Einklang mit der Natur.

RUNDGANG ALMSENNEREI

DER RUNDWEG startet beim Almdorf Getauer, gleich neben dem Matreier Tauernhaus. Eines von drei Tauernhäuser, die den Säumern seit dem Mittelalter Schutz und Verpflegung boten. Mit ihren Rössern transportierten sie Waren von Norden nach Süden und umgekehrt. Für Salz, Gewürze, Metalle, Häute, Leder und Loden galt es Maut an die Salzburger Erzbischofe zu zahlen. Ebenso für Olivenöl, Tabak, gedörrte Birnen, Mandeln und Nüsse. Seit der Römerzeit und lange vor der Eröffnung der Felbertauernstraße im Jahr 1967 war der Felbertauern ein stark frequentierter Alpenübergang. Am 28. Mai 1878 wollte der Viehhändler Hochfilzer aus dem Pinzgau 130 Stück Vieh von Matrei über den Felbertauern treiben. Unterwegs wurde er von einem Schneesturm überrascht und vier Viehtreiber kamen zu Tode, nur 30 Kühe und Rinder überlebten die Katastrophe.

ALMDORF

Dass sich die Almhütten eng aneinanderdrängen, typisch für die historischen Almdörfer im Tauern- und Gschlösstal. Mindestens 200 Jahre haben sie schon auf dem Buckel, errichtet aus den Materialien der Umgebung. Die Almhütten gehören zu den Höfen der Matreier Bauern und in alten Auftriebsrechten ist festgeschrieben, wieviel Vieh auf die Alm gebracht werden darf. Bis in die 1960er Jahre zogen die Familien im Sommer mit Kühen, Hennen, Schweinen, Schafen und Ziegen auf die Alm. Das Galtvieh war mit den Hirten auf den höher gelegenen Ochsenalmen unterwegs.

Das Milchvieh blieb im Talboden und kam morgens und abends zum Melken in den Stall. Die Milch wurde zu Butter, Butterschmalz und Käse verarbeitet. Der Kupferkessel zum Käsen hing über dem offenen Feuer in der sogenannten „Rachkuchl”. Schornstein gab es keinen, nur Lüftungsschlitze und der Rauch färbte die Wände schwarz. Hier wurde auch gekocht, in der Früh ein Mües aus Milch und Mehl, zu mittags und abends Suppe, Knödel, Kasnudeln oder Schlipfkrapfen, was der Hof eben hergab. Nur an Feiertagen kamen Speck, Würste und Krapfen auf den Tisch.

ENERGIE AUS WASSER

Seit 1920 betreibt das Matreier Tauernhaus mit der Energie des Messeling-Baches ein Wasserkraftwerk. Relikte des ersten Kraftwerkes sind im Untergeschoss des alten Sägewerks zu sehen. Heute ist eine moderne Turbine im Einsatz, die das Gasthaus und die Almsennerei mit Strom versorgt. Wohingegen das Venezianer-Gatter schon seit 200 Jahren durch das große Wasserrad angetrieben wird. Wasserbetriebene Sägen gibt es bereits seit dem Mittelalter im Alpenraum. Ihre Verbreitung soll auf venezianische Holzhändler zurückgehen, daher der Name. Im Triebwerk der Sägemühle wird die Kraft vom Wasserrad auf zwei Bewegungen übertragen. Das Gatter mit dem fixen Sägeblatt bewegt

sich senkrecht auf und ab. Der Holzstamm läuft auf einer Art Wagen auf Rollen waagerecht auf das Sägeblatt zu, ruckweise durch Ketten gezogen. Erst wenn der Sägebetrieb startet, wird der Schieber geöffnet und das Wasser fließt über ein Holzgerinne auf die Schaufeln des oberschlächtigen Wasserrades. Die bereits seit dem Mittelalter meisten Teile des Venezianer-Gatters wie Zahnräder und Schrauben sind aus Holz gefertigt und erfüllen bis heute ihre Funktion.

NACHHALTIGKEIT

Aus 26 Metern Tiefe sprudelt das frische Wasser für die Almsennerei Tauer. Der Brunnen wurde von einem Experten mit der Wünschelrute gesucht, denn reines Wasser ist der wichtigste Hilfsstoff in der Käseproduktion. So wäscht der Senner den Käsebruch aus, um den Milchzucker zu reduzieren, damit der Käse weniger Säure entwickelt. Auch das Butterkorn wird mit Wasser ausgewaschen, um Milchzuckerreste und Eiweißreste zu entfernen. Dadurch bleibt die Butter länger haltbar. Der nachhaltige Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser ist ein wichtiger Aspekt in der Philosophie der Almsennerei. So werden die Abwässer der Almsennerei in der eigens errichteten ökologischen Pflanzenkläranlage gereinigt. Durch das Zusammenspiel von ausgewählten Sumpfpflanzen, von den Mikroorganismen im Boden und im Wasser des Teichs werden die organischen und anorganischen gelösten Stoffe abgebaut bzw. an den Boden gebunden. Über den natürlichen Filter des Bodens fließt das gereinigte Wasser in den Tauernbach und damit zurück in den natürlichen Wasserkreislauf.

ALMWIESEN

Mit dem Bau des Damms in den 1930ern Jahren sind die ebenen Weideflächen entstanden. Zuvor hat der Tauernbach die Wiesen regelmäßig überflutet, zurück blieben Steine und Sand. Erst seit der Regulierung bieten die Weiden von Juni bis September reichhaltiges Futter. Das raue Klima lässt die besten und robustesten Gräser wachsen. Ihre Inhaltsstoffe und Aromen finden sich in der Milch, der Butter und dem Käse. So stammt die gelbe Farbe vom natürlichen Beta-Carotin, das die Tiere über die Pflanzen aufnehmen und über die Milch wieder ausscheiden. Dank der ungesättigten Omega-3- Fettsäuren aus dem frischen Gras ist Almbutter weich und sahnig. Ungesättigte Fettsäuren sind gesund und wichtig für Nerven und Gehirn, wohingegen harte Butter einen hohen Anteil von gesättigten Fettsäuren aufweist, die sich im Körper gerne in Fettdepots ablagern. Für die 150 Milchkühe auf den Almen Getauer, Wohlgemuth, Außerschlöss und Innergschlöss ist der Sommer reine Erholung. Das gute Futter und der Aufenthalt im Freien stärken das Immunsystem der Tiere. Kein Wunder, dass ihre Milch von hoher Qualität ist.

NATIONALPARK HOHE TAUERN

Die Almsennerei Tauer liegt am Eingang des Nationalparks Hohe Tauern, mit 1.856 km2 Gesamtfläche das größte Schutzgebiet im Alpenbogen. Die Kulturlandschaft, seit Jahrhunderten von den Almbauern bewirtschaftet, umschließt als Außenzone die fast unberührte Wildnis der Kernzone. Die Eiszeit hat die Täler geformt. Zaghaft wagten sich nach dem Rückzug des Eises vor etwa 12.000 Jahren Pflanzen und Tiere aus den zentralasiatischen Kältesteppen, aus der Arktis aber auch aus Südeuropa in diesen neuen Lebensraum. So ist der Nationalpark Hohe Tauern eine Arche Noah für tausende Tier- und Pflanzenarten, aber auch Erholungsraum für Menschen. Ein weites Netz an Wegen lädt zum Genießen dieser Landschaft ein. Steigt man von hier bis in die Gipfelregionen hinauf, durchschreitet man mehrere Höhenstufen, mehrere Lebensräume und das Klima ändert sich, vergleichbar mit einer Reise in die Arktis. Nur 60 min Fußweg entfernt sieht man im Gschlösstal die 3.000er der Venedigergruppe. Von dort fließen die Schmelzwasser der Gletscher über den Tauernbach ins Tal.

ALMSENNEREI TAUER

Von 1932 bis 1948-wurde in der Sennerei die Milch der umliegenden Almen verarbeitet. Dann fiel das historische steingebäude in einen Dornröschenschlaf, aus dem es erst im Jahr 2016 erwachte. Damals beschlossen die Almbauern, die Veredlung und Vermarktung ihrer qualitätsvolLen Milch in den Sommermonaten selbst in die Hand zu nehmen. Mutig schlossen sich 25 Bauern aus der Region in einer Genossenschaft zusammen, um die Wertschöpfungskette zu verlängern. So bleibt der Milchpreis stabil, unabhängig von den Schwankungen am globalen Milchmarkt. Täglich produzieren die Senner aus 3.000 Liter almmilch Butter, Graukäse, Schnittkäse und Almkäse, erhältlich im Almladen über der Sennerei. Ebenso wie Produkte von Freunden, Souvenirs und Lebensmittel. Von hier aus kann man am Vormittag den Sennern beim Käsen zuschauen. Der Graukäse ist übrigens nach dem Wildenkogel benannt, der sich im Süden erhebt. Der Tauernkogel, nordwestlich bei der St. Pöltener Hütte gelegen, leiht dem Schnittkäse seinen Namen und das Rainerhorn, ein 3.599 m hoher Gipfel der Venedigergruppe, stand Pate für den Almkäse.

 

Adressdaten

Almsennerei Tauer - Tauer 40 - 9971 Matrei

Telefonnummer des Herstellers

+43 664 88294517

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